Es ist das Jahr 2007. Mir ist langweilig. Ich sitze an meinem Schreibtisch und zeichne eine Skizze von einem Mädchen. Wer jetzt glaubt, es ist eine schöne Skizze, der irrt. Ich habe noch nie zuvor versucht, ein Mädchen zu zeichnen und genauso sieht es auch aus.
Das Mädchen trägt eine sehr kurze Hose und eine Weste aus Fell, ebenso kurz wie die Hose. Ich habe keine Ahnung, wie man Gesicherter zeichnet, also hat sie auch keins. Aber der Bleistift ist recht dunkel, also bekommt sie schwarze Haare. Wie man Füße zeichnet, weiß ich auch nicht. Ich lasse sie weg. So sieht sie aber komisch aus. Ich zeichne eine Linie und schon steht sie im Schnee. Barfuß und ansonsten auch ziemlich leicht bekleidet. Brrr.
Ich hätte das Blatt jetzt einfach so zerknüllen können und es dahin werfen, wo es hingehört. Aber irgendwie ist mein Interesse geweckt. Warum friert sie nicht? Was ist das Besondere an ihr? In was für einer Welt lebt sie, dass sie keine Frostbeulen bekommt, wenn sie so im Schnee steht?
Ein paar Tage später ist mir wieder langweilig. Ich schnappe mir ein Blatt Papier und ich beginne, eine Karte zu zeichnen. Sie ist ungeschliffen und roh. Ein Teil von ihr sieht aus wie ein Schuh. Aber es ist etwas - ein Anfang nämlich. Etwas, womit ich arbeiten kann. Ein Blatt in das der Geist eintauchen kann, um etwas zu erschaffen. Eine Geschichte.
Ich beginne also zu schreiben. Ich schreibe die Geschichte der Welt. Ihre Sagen. Welche Götter auf ihr wandeln und welche Taten und Untaten die Helden in der Vorzeit vollbracht haben. Ich platziere Städte und Flüsse auf der Karte. Zeichne sie neu. Reiche entstehen und zerfallen. Bündnisse werden geschmiedet und gebrochen. Drachen werden getötet und das Land mit Krieg überzogen. Es ist mein eigenes Silmarillion.
Ich möchte gerne einen Roman schreiben und andere Leute an der Welt teilhaben lassen, die da in meinem Kopf entstanden ist. Ich würde gerne eine Geschichte über das Mädchen schreiben, das ich damals gezeichnet hatte. Aber wie schreibt man einen Roman? Ich entschließe mich dazu, zunächst eine Novelle zu schreiben und zwar über ein Ereignis aus der Geschichte meiner Welt. Ich werde sie nie fertigstellen, aber als ich schließlich abbreche, ist sie so um die 45.000 Wörter stark. Ich habe viel gelernt. Wirklich viel. Und das Gelernte setze ich um. Ich suche mir ein weiteres Ereignis aus der Geschichte meiner Welt aus und schreibe eine weitere Novelle. Nein, es wird keine Novelle, sondern ein Roman. 102.000 Wörter. Aber das Ergebnis überzeugt mich nicht. Außerdem hat sich meine Welt inzwischen weiterentwickelt und auch mein Anspruch an eine Geschichte. Ich möchte etwas mit mehr Gefühl und mehr Realismus. auch diese Geschichte kommt in die Schublade.
Aber jetzt fühle ich mich bereit, die Geschichte von dem Mädchen zu schreiben. Ich beginne, die Geschichte durchzuplanen. Das Jahr ist mittlerweile 2013. Viel ist in diesen sechs Jahren geschehen. Ich habe mich sehr verändert und das zeigt sich auch in der Art und Weise, was für eine Geschichte ich jetzt plane. Im Herbst beginne ich zu schreiben.
Jahrelang schreibe ich. Meistens schreibe ich nur, wenn ich Urlaub habe. Ein paar Wochen im Jahr. Aber auch so füllen sich die Seiten irgendwann. An "Vanas Erbe - Nordgard" habe ich viel herumgedocktert. Ganze Kapitel verworfen und neu geschrieben. Irgendwann, bei 95 % komme ich einfach nicht mehr weiter. Drei Textstellen sind noch übrig, bei denen ich einfach nicht weiß, wie ich sie füllen soll.
Also springe ich hinüber zur Fortsetzung. Teil 2 wächst, während Teil 1 stagniert. "Nordgard" ist fast schon ein Prequel. Ich erwäge, Teil 2 zuerst zu veröffentlichen und "Nordgard" erst am Schluss herauszubringen. Aber das wäre viel mehr Arbeit, als "Nordgard" fertigzustellen. Also überwinde ich mich und schreibe die letzten fünftausend Wörter. Es ist geschafft! Nur noch veröffentlichen und verkaufen. Das wird einfach. Kann schon nicht schwieriger sein, als das Buch zu schreiben, oder?
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